Frisch gebackenMenschenküche

Mehl macht glücklich

posted by TheStrangebeauty.net 7. Juni 2017 2 Comments

Ich bin schockverliebt.
Seitdem ich das erste Mal mit 16 Jahren in einer Bäckerei gearbeitet habe war mir klar, dass ich eine Liebe zum Mehl entwickelt habe. Mehl ist ein wunderbares Werkzeug. Es lässt Brot und Brötchen entstehen, Kuchen und Muffins, Klöße und Nudeln, schmeckt süß und salzig, kann hell sein und auch dunkel.
Kurzum – es ist ein wahnsinnig vielfältiges Lebensmittel – wenn man weiß, wie man es einsetzt. Außerdem gibt es nichts erotischeres, als die Hände in einem Teig versinken zu lassen, ihn zu kneten und zu formen 😉 *Kopfkino gaanz schnell aus*

Mit 16 backte der Bäcker, bei dem ich jobbte, noch selbst. Der Teigmacher fing um halb elf abends an, denn ein guter Teig braucht Zeit. Plötzlich wurde das arbeitsrechtlich verboten. Vor halb vier durfte niemand mehr in die Backstube. Die Zeit der Instantmischungen begann.
Mein damaliger Chef war einer der besten Bäcker in Saarbrücken und hatte vier Filialen. Er fing an, Fertigmischungen zu verwenden. Sogar für seinen „Renner“ – das beste Weizenmischbrot unter Saarbrückens Bäckerhimmel. Unnötig zu sagen, dass dieses Brot wie so viele irgendwann den Pferden zum Fraß vorgeworfen wurde (war ein günstiges Futtermittel zu der Zeit), anstatt gegessen zu werden.

Seit ca. 10 Jahren haben die Foodblogs nun auch das Brot backen entdeckt. Es gibt Foodblogger, die richtige Brotbacköfen zuhause haben. Andere backen einmal die Woche in einem alten, gemauerten Backofen. Oder es gibt die Blogger und Brotliebhaber wie ich, die je nach Bedarf, in einem normalen Herd backen. Das funktioniert und macht genauso viel Spass wie ein Hightechofen. Denn das Ergebnis zählt!

Was sich aber mit den Jahrzehnten geändert hat – und das ist gut so – ist die Vielzahl der Mehle. Früher hatte man Weizen- und Roggenmehl. Vollkornmehl war neumodischer Mist und kam in die Ökokiste – braucht kein Mensch.

Früher war Brot backen auch noch ein Handwerk. Der Käufer von heute möchte schnelle Ware haben, die immer gleich schmeckt. Ein Hoch auf Instantmischungen und Teigrohlinge. Ja, die Qualität ist in der Regel gleich. Der Preis ist günstig und der Geschmack ist…übel.
Es gibt Menschen, die sich nur davon ernähren und es toll finden. Ich finde den Fertigkram gruselig und vertrage ihn auch nicht wirklich. Zumal sich die Zutatenliste wie das Chemielabor meines Nachbarn anhört. Es gibt Dinge, die möchte ich nicht essen (isolierte/synthetisierte Substanzen, wie z.B. bestimmte Enzyme, Emulgatoren, Verdickungsmittel, Geschmacksverstärker, Aromen). PUNKT!

Und gutes Brot braucht nicht viele Zutaten: Mehl, Wasser, Salz, etwas Hefe und Sauerteig oder Lievito Madre, etwas Backmalz wenn man möchte und GEDULD.

Geduld ist eigentlich das wichtigste. Denn man kann mit wenig Hefe und einer Übernachtgare ein wunderbares Brot erhalten.
Und man braucht ein gutes Mehl. Nein, eher viele gute Mehle. Man wird zum Sammler – von Rezeptideen und 5kg Paketen, weil es ja günstiger im EK ist 😀 
Mein neuester Lieblingslink ist der der Draxmühle. Ein Wunderland für alle Backbegeisterten.

Außerdem braucht man Zubehör wie Gärkörbe und Leinentücher (meine Wishlist ist gross geworden), diverse Körnermischungen und Flocken, Schüsseln und Zubehör – und GEDULD. Da ist sie wieder. Ein schnelles Brot ist durchaus möglich – aber eine Teiggare über Stunden oder über eine Nacht hinweg ist das absolute Highlight.

Der Teig wird fluffig – wie beim dem oberen Bild links. Ein Teig aus Gelbweizenmehl in einer 24h Teigführung. Ein lockeres Etwas, was wirklich eine leicht gelbe Färbung aufweist.
Das Bild rechts oben zeig einen Laib aus Purpurweizen in einer Übernachtgare. Schmackhaft durch Backmalz und Nüsse. Dazu eine unendlich knusprige Kruste.

Das Bild unten rechts zeigt eine Kleiebrot aus Manitobaweizen und etwas Ruchmehl. Extrem triebstark und für ein Weizenmehl von einem unnachahmlichen Geschmack.

Ganz ehrlich – nie wieder Fertigbrot. Nie wieder was vom Schnellbäcker. Es schmeckt einfach nicht!

Falls ich jetzt jemanden neugierig auf Brot backen gemacht habe, hier ein paar Links.

 

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2 Comments

Bine 7. Juni 2017 at 9:26

Hallo Susi,

gibt es ein Rezept für das „Übernachtbrot“ aus Purpurweizen? Das sieht sooo genialös aus.

Guten Appetit 🙂

Reply
TheStrangebeauty.net 11. Juni 2017 at 7:25

Der neueste Blogpost beinhaltet das Rezept liebe Sabine 😉

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