InsiderTagesschnipsel/Daily Wahnsinn

Gefühlskino oder warum Trauerbewältigung unplanbar ist

posted by TheStrangebeauty.net 2. Juni 2017 2 Comments

Da ist es wieder. Das Loch, dieses gottverdammte Loch. Und ich hänge mittendrin.
Immer um den 28ten jeden Monats kommt es. Das war der Abschiedstag vor gut 20 Monaten.

Um es kurz zu machen – es nervt. Ich bin 2 Tage davor und danach nicht zu gebrauchen. Den Rest des Monats klappt alles wunderbar. Die Fellbande und ich leben unser Leben. Es sind neue Freunde ins Leben getreten und andere sind gegangen. Das Leben ist ein Auf und Ab. Ich weiß das. Und es ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Das ist mir auch schon klar.

Wenn da nicht… ja, wenn da nicht immer die lieben Mitmenschen wären. „Du musst darüber hinwegkommen.“ ist mindestens genauso schlimm wie “ Es kann Jahre, gar Jahrzehnte dauern.“
Na, herzlichen Dank. Eigentlich wollte ich in absehbarer Zeit nochmal normal „funktionieren.“

Kann man Trauer messen? Oder einstellen? Oder gibt es ein Zeitfenster? Wenn ja, von was hängt es ab? Von der Verbundenheit oder den Jahren, die man miteinander verbraucht hat.
Trauer ist so individuell wie der Mensch, der sie erlebt. Es wäre doch toll, wenn jeder einen Knopf zum an- und ausstellen hätte. 
Knopf hoch im stillen Kämmerlein, Trauer an,  die Tränen fließen, die Wut kommt hoch.
Knopf runter, Trauer an, alles wieder gut. Immer nur lächeln und weiter machen.

Wer bestimmt denn eigentlich wann und wo ich trauern darf? Und ab wann ich mich wieder freuen kann, soll, darf?

Ist schon irre, auf was manche Menschen da kommen.
Da kommen Ideen, wie:

  • Gesprächskreise
  • Trauergruppen
  • Tanzgruppen, um den Gefühlen freien Lauf zu lassen
  • Schreitherapie
  • Couchtherapie beim Psychiater
  • Tablettentherapie beim Doc
  • Frauen-trauern-anders-Gruppen
  • …..

Öm…nöööö. Ganz ehrlich. Es geht doch jeder mit seiner Trauer anders um. Der eine wird aufgefressen, der nächste ist froh, dass das „Anhängsel“ endlich weg ist.

Oder genauso schlimm finde ich, einen Menschen „gutzuheucheln“. Wenn jemand im Leben ein Kotzbrocken war, hat sich das mit seinem Tod bestimmt nicht schlagartig geändert. Man redet nicht schlecht über die Toten! Steht wo?????

Sorry, aber dieses ganze Rumgeeiere bringt doch nix. Jeder muss selbst wissen, wie er damit umgeht und was er tut um mit dem Verlust eines (geliebten) Menschen fertig zu werden. Da gibt es kein Patentrezept – auch wenn manch einer das glauben und auch so vermitteln mag.

Deswegen tut das, was EUCH gut tut. Ihr müsst damit leben lernen, Euer Leben neu- oder umgestalten. Nur IHR alleine zählt – und niemand anders.

Einer meiner Lieblingssprüche in dieser Zeit kommt von Michelangelo:

Du bist nicht tot, Du wechselst nur die Räume.
Du lebst in uns und gehst durch unsere Träume.

In diesem Sinne – lasst Eurer Trauer Raum, „erlebt“ sie so, wie ihr es wollt. Und lasst die Verstorbenen auf ihrem Weg wandeln.

P.S. Übrigens sind die Wutphasen wunderbar geeignet, um Euch mal Luft zu machen. Wenn Euch also jemand tierisch nervt, dann raus damit. In der Trauerphase habt ihr sozusagen Narrenfreiheit. Nutzt das ruhig aus. Solche Gelegenheiten kommen vielleicht nicht wieder.

Der „Getroffene“ kann es übrigens in der Regel verschmerzen. Meist hält man nur aus Anstand oder Rücksicht den Mund. Und manche Dinge müssen manchmal…raus 😉

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2 Comments

Angela 2. Juni 2017 at 7:18

Ich drücke Dich einfach nur!
Liebe Grüße
Angela

Reply
TheStrangebeauty.net 11. Juni 2017 at 7:25

Alles gut Angela. Es gibt gute und schlechte Tage. Das wird irgendwann besser – hoffe ich.

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