InsiderTagesschnipsel/Daily Wahnsinn

One Year In Heaven

posted by TheStrangebeauty.net 27. September 2016 4 Comments
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Ein Jahr ist es her, dass der Mann des Hauses die letzte Reise angetreten hat.

Was so unwirklich wirkte, wurde schnell vom Alltag abgelöst. Viele Dinge haben sich geändert. Anderes wurde vertieft, manches wurde ganz aus meinem Leben gestrichen.

Das Leben ist anders.
Ob es besser ist….? Sagen wir befreiter. Denn die ständige Angst und Anspannung die man hat, wenn man einen schwer kranken Menschen über Jahre zu Hause pflegt, ist weg. Die schlaflosen Nächte, die Hilflosigkeit, die Verzweiflung. Ein Knoten ist geplatzt und dann…folgt der tiefe Fall.

Man wird überrannt, man muss Dinge organisieren.
Wo muss ich hin? Wer braucht welche Formulare bis wann? Wann gibt`s Rente? Wie viel gibt es? Reicht es um zu leben? Muss ich meine Tiere abgeben?…. Für mich damals einer der schlimmsten Gedanken. 
Denn niemand sagt Dir, wie Du Deine Rechnungen bezahlen sollst, wenn Du nicht weißt, was überhaupt dabei rum kommt.

Das erste Jahr ist geschafft.
Mein Leben hat sich eingespielt und ich habe vieles umorganisiert. Meine Interessen – die waren in der Schublade verschwunden – leben langsam wieder auf. Lesen, spazieren gehen, Handarbeit. Oder einfach den Mittag im Garten verbringen. Kochen was ich mag ohne Rücksicht zu nehmen. Spontan auf das Zweirad setzen und die Gegend unsicher machen. Was essen gehen mit einer Freundin. Unbeschreiblich.

Wenn man einen Menschen liebt, dann geht man durch dick und dünn.
Leider bleibt man irgendwann auf der Strecke. Das musste ich mir im nachhinein auch eingestehen. Hätte mir jemand letztes Jahr im Sommer gesagt, dass ich Augenringe bis zum Kinn habe, hätte ich ihn ignoriert und auf meine tollen pinkfarbenen Haare hingewiesen. Man wird zum Meister der Verdrängung. Man erzählt, was die Leute hören wollen. Die Wahrheit interessiert eh niemanden. Es schockiert höchstens. Und diese Blicke und das Mitleid will eigentlich niemand in dieser Situation erleben.

Ich selbst habe eine Wandlung durchgemacht.
Ich bin gelassener geworden. Mich interessieren die meisten Kleinigkeiten, die andere für sooo wichtig halten, überhaupt nicht mehr. Ich bin auf der Suche nach einer Art innerem Frieden. Funktioniert mit einigen Einschränkungen für mein Karma bis jetzt ganz gut 😉

Das schwierigste ist, nach 30 Jahren allein zu sein.
Diese Riesenangst… unnötig. Es gab und gibt Menschen, die bis heute zu meinem fast täglichen Umfeld gehören – wenn ich das will. Die sich sorgen und kümmern. Die mich aber auch in Ruhe lassen, wenn ich nicht bedrängt werden will. 
Und da wäre natürlich noch die Fellbande. Denen geht es besser als vorher, denn ich habe mehr Zeit für sie und ihre Bedürfnisse.

Alles in allem – es ist geschafft.
Es kann nur noch besser werden. Deswegen schaue ich ab heute nur noch nach vorne und nicht mehr zurück!

 

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4 Comments

Be Happy 28. September 2016 at 5:45

Schön, daß es dir besser geht. Und gut, daß du so offen darüber schreibst. Letztendlich ist man ja allein mit allem, aber alles ist möglich, und man muß sich selbst auch immer wieder einen Schubs geben.
Liebe Grüße zu dir!

Reply
Roveena 27. September 2016 at 15:26

Trauriges Thema, aber schön dass du dich wieder gefunden hast 🙂 Das mit „durch dick und dünn“ und selbst vergessen, habe ich hier auch live erlebt. Ich genieße deine entspannten Beiträge und die Sicht auf die Dinge.
liebe Grüße und fühl dich geknuddelt von
Sandra und Aaron

Reply
Alicja Wiktoria 27. September 2016 at 10:11

Liebe Susanne,
wie schön, dass Du die Hürde des ersten Jahres so gut gemacht hast. Mit allen ihren Schikanen und schlimmen Momenten. Das schaffen nicht viele (ein Onkel von mir scheint auch 7 Jahre nach dem Tod seiner Frau in der Schockstarre zu verharren).
Ich drücke Dich!

Reply
Bine 27. September 2016 at 6:39

Fühl Dich einfach umärmelt …. Du bist ein toller Mensch und ich bewundere die Konsequenz, mit der Du Dinge angenommen und gemeistert hast. Dein Mann ist immer noch bei Dir, nur in einer anderen Ebene, und ich denke er hat jetzt ein wachsames Auge auf Dich und freut sich, dass Du Dein „Single“sein immer mehr genießen kannst.

Du hast meine Nummer, falls Du möchtest. Ab Mittag habe ich Zeit – falls ich mit Lucky draußen bin, AB, ich rufe zurück.

Bine

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