BloggesprächeInsider

Bitte nicht in Watte packen

posted by TheStrangebeauty.net 5. Oktober 2015 20 Comments

Der Schock hat sich gelegt, das Leben geht weiter.

Ich überlege nun schon drei Tage, ob ich bloggen soll. Aber was würde es mir bringen, wenn ich mich nun verstecken würde? Nix.

Auch im Wald beim Hundegassi habe ich die Flucht nach vorne angetreten. Mein Wohngebiet ist ein Dorf. Jeder kennt fast jeden und Gerüchte und Informationen verbreiten sich sehr schnell. So wusste am Dienstagmorgen die eine Hälfte der Gassigänger schon von meinem Verlust. Die andere Hälfte hat es von mir erfahren. Der Waldfunk funktioniert also.

Frau Lillywuff hat 3 Tage getrauert und nicht richtig gefuttert. Sie war draußen wie auf Dope, ließ sich nicht abrufen. Mein TA nannte das Stress. Die Katzen sind relaxter damit umgegangen.

Bei all dem drumherum ist mir aufgefallen, dass die Menschen wohl Angst haben, auf einen Trauernden zuzugehen. Man ist verstört, hat wohl Angst, wird sich seiner eigentlichen Sterblichkeit bewusst. Das liegt aber an unserer Kultur. Für uns ist der Tod etwas schlimmes. In anderen Kulturen wird der Tod gefeiert und als Tor zu einer höheren Stufe angesehen.

Leute, wenn es Euch so geht: Geht auf die Trauernden zu, umarmt sie, sprecht ein paar Worte mit ihnen. Es gibt nichts schlimmeres, als in dieser Phase alleine zu sein. Zuspruch jeglicher Art wird gerne angenommen. Denn der Trauernde will reden, sich mitteilen und nicht gemieden oder gar mit schiefen Blicken angesehen werden.

Mein Leben hier unten geht weiter. Ich habe meine geliebten Viecher, die mich brauchen, die mich „zwingen“ weiter zu machen. Und ich finde, man muss nicht in schwarz und Trauermine rumlaufen. Ich feiere das Leben und die Erinnerungen, die ich habe.

Das ist mein Weg – und ich gehe ihn unbeirrt weiter.

Übrigens… ich hasse Behördengänge. Mir kommt es so vor, als bekäme man da immer noch eine extra Schippe in die Beine geworfen.

 

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20 Comments

Hadassa 1. November 2015 at 20:02

Liebe Susi,

ich lese das alles jetzt erst und bin ziemlich fassungslos. Alles was ich schreiben könnte, wären nur bessere Worthülsen, deshalb lasse ich es lieber und sage dir nur, dass ich an dich denke. Und dich dafür bewundere, wie du weitergehst. Für die Tiere, aber auch für dich.

Ganz liebe Grüße,
Hadassa

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TheStrangebeauty.net 2. November 2015 at 6:46

Liebe Hadassa (Verzeih den Verschreiber auf Deiner Seite.)
Das Leben geht für die (Über)Lebenden weiter. Nur vergessen das viele Leute.
Danke für Deine lieben Worte *umärmel*

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Lavendelmaschen 16. Oktober 2015 at 15:57

Ich bewunder Dich sehr für Deinen Mut und Deine Stärke! Bleib weiterhin so positiv, liebe Susi.
Herzlichen Gruß,
Moni

Reply
TheStrangebeauty.net 17. Oktober 2015 at 11:03

Ich versuche, den Kopf oben zu behalten – auch wenn es nicht immer leicht ist.

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Nina 11. Oktober 2015 at 15:05

Ich bewundere Deine Art damit umzugehen und drücke Dich virtuell dafür!
Jeder hat einen eigenen Weg damit umzugehen, das stimmt und ich denke, was in einem innendrin passiert kann sowieso nur jemand verstehen, der es auch mitgemacht hat.
Als mein Vater gestorben ist war es für mich schlimm, sehr sehr schlimm und ich war wochenlang wie gelähmt, allerdings kam sein Tod sehr plötzlich. Vielleicht macht es doch einen Unterschied wenn jemand lange krank war, was ich bei Dir rauslese…ich weiss es nicht.Was die Behördengänge angeht, puh, da muss ich Dir recht geben, auch wir hatten es nicht leicht, aber irgendwann haste auch diese Hürde geschafft und kannst weiterhin nach vorne sehen. Alles Liebe, Nina

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stoffel 11. Oktober 2015 at 13:44

Moin Susi, nun finde ich endlich die Ruhe um auf Deine Beiträge etwas zu schreiben. Ich gebe Dir absolut Recht der Tod gehört zum Leben dazu und für Aussenstehende ist es immer schwer etwas „passendes“ zu sagen oder zu schreiben.
Was ich an Dir bewundere ist Deine Art mit dem Tod umzugehen und wie Du es kommunizierst, offen, direkt, ohne Umschweife … das macht es für uns „Aussenstehende“ einfacher mit der Situation umzugehen.
Es ist nicht leicht, das weisst Du genauso wie meine Wenigkeit, auch die klassische Phrase „Es wird besser“, hilft vielleicht nicht direkt jedoch ist an diesen 3 Worten etwas Wahres dran.
Du weisst wenn irgendwas ist, die Telekommunikation von Deinem zu unserem Dorf ist immer aktiv und darf, soll, kann genutzt werden … wir sind bei Dir, denken an Dich und wenn leider nur auf diesem Wege einen dicken wirtuellen Knuddler von Deiner Meldorder Bande :-*

P.S.: alles Daumen sind gedrückt das Du zukünftig keinen Ärger mit den Behörden hast.

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Angela 10. Oktober 2015 at 5:35

Moin liebe Susi,
zu diesem Thema etwas zu schreiben, fällt mir immer unendlich schwer, aber ein paar Worte muss ich nun doch loswerden. Als meine Oma und Mutti so kurz nacheinander gegangen sind habe ich versucht, so „normal“ wie es geht zu leben. Daher kann ich Dich sehr gut verstehen. Natürlich ist es nicht das selbe, aber ein Gehen ist nun mal ein Gehen… egal ob Partner oder Eltern.
Der Gedanke daran, dass meine beiden nie gewollt hätten, dass ich ich unglücklich trauere, sondern sie mich lieber glücklich sehen würden, weil es ihnen nach langer, gemeiner Krankheit besser geht, hat mir persönlich sehr geholfen.
Du gehst Deinen Weg weiter, liebe Susi.
So, und nun muss ich einfach aufhören darüber nachzudenken und darüber zu schreiben!
Hier, bei uns in Lüneburg beginnt der Tag, juhuu es ist Wochenende und die Wetterfrösche haben Sonne vorhergesagt. Nachher wird noch der Garten betüddelt und für die Schule muss ich auch noch lernen *örgs*
Ich drücke Dich!!!!

Reply
TheStrangebeauty.net 11. Oktober 2015 at 6:35

Liebe Angela.
Vielen Dank für Deine lieben Worte. Und es wird wirklich leichter mit der Zeit. Hätte ich jetzt nicht gedacht.
Das Thema ist für keinen einfach, dass weiß ich mittlerweile. Und jeder muss seinen eigenen Weg finden.

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Roveena 6. Oktober 2015 at 11:29

Hey Susi,
schön von dir zu lesen. Ja, man weiß meistens nicht wie man mit so einer Situation umgehen soll, ich weiß es auch erst, seit dem ich selbst diese Erfahrungen machte. Der Abschied gehört zum Leben dazu. Jeder geht anders damit um, wichtig ist nur dass man seinen Weg findet.
Die Umwelt hat sich damals bei uns wie die Spreu vom Weizen getrennt. Viele konnten schon mit der Krankheit meines Vaters nicht umgehen und als er starb, haben sie den Kontakt komplett abgebrochen. Schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass es sich um befreundete Ehepaar gehandelt hat. Warum steht man dann nicht als Freund/in der Witwe bei?
Die Behördengänge sind wirklich extrem mies. Ein nerviges Unterfangen, für das man gerade dann nicht die nötigen Nerven hat.
Das Lilly verwirrt war, kann ich verstehen, unserer Kessi ging es damals bei meinem Vater auch so. Aber je eher die Menschen zur Normalität zurück kehren, umso eher entspannen sich die Hunde wieder und man selbst eigentlich auch.
Fühl dich geknuddelt
liebe Grüße
Sandra und Aaron

Reply
TheStrangebeauty.net 8. Oktober 2015 at 5:07

Ja, das ist ein Problem mit den lieben Mitmenschen….
Lilly geht es mittlerweile viel besser.

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Dinkelhexe Renate 5. Oktober 2015 at 18:17

Letztes Jahr verstarben ganz kurz hintereinander meine Eltern. Ich befinde mich immer noch in einem tiefen Loch, gehe täglich zum Grab um mit meinen Eltern zu sprechen. Zu Hause stehen in jedem Zimmer Bilder von den Beiden. Mir tut es gut, aber ich weiß von anderen Menschen, dass sie sich beim Friedhofsbesuch und Anblick von Fotos quälen. Jeder Mensch trauert anders und jeder muss für sich die richtige Art herausfinden.
Mitfühlende Grüße, Renate

Reply
TheStrangebeauty.net 6. Oktober 2015 at 4:51

Liebe Renate.
Jeder muss seinen Weg finden, das ist richtig. Ich muss und will nach vorne sehen. Außerdem hätte das mein Mann nicht gewollt. Er wollte, dsss ich weiter mache – und das tue ich auch.

Dss Leben geht weiter, Schritt für Schritt.

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Linda 5. Oktober 2015 at 14:16

Ich denke, so wie du es für dich brauchst, so ist es für dich richtig und du solltest es tun. Wenn du darüber schreiben, bloggen, und mit Menschen reden möchtest, ist das gut und hilft dir. Aber es gibt sicher auch Trauernde, die sich lieber verkriechen möchten. Das herauszuspüren für Außenstehende ist oftmals sehr schwer. Wenn du also offen damit umgehst, fällt es den Menschen auch leichter zu reagieren. Und Schreiben hilft mir immer bei allem, vielleicht ja auch dir. Manche verkriechen sich lieber für Monate oder gar Jahre. Ich selbst habe keine Angst vor dem Tod. Nur vor dem Sterben, daß es lange dauert.
Liebe Grüße Linda

Reply
TheStrangebeauty.net 6. Oktober 2015 at 4:48

Liebe Linda.
Ich habe festgestellt, dass die Menschen teilweise verstört sind über meine Art und Weise mit der Trauer umzugehen. Aber wie gesagt: Ich durfte mich auf das unvermeidliche vorbereiten – ob ich wollte oder nicht. Das „Glück“ haben die meisten Menschen nicht. Und sind deshalb auch wie paralysiert, wenn der Verlust da ist.

Reply
Terragina 5. Oktober 2015 at 11:20

Liebe Susi,

ich finde die Art, wie Du mit dem Tod umgehst beachtlich – das können leider viele Menschen nicht. Sollte ich jemals in diese Situation kommen, möchte ich genau die Kraft und Stärke haben, die Du hier vermittelst. Natürlich bist Du traurig, aber wie Du damit umgehst hört sich nach einem guten Plan an. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und Stärke, Dein Leben neu zu sortieren und für Euch eine Zukunft zu sehen, die Du Dir gut vorstellen kannst.

Alles alles Gute für Dich und liebe Grüße,
Kerstin

Reply
TheStrangebeauty.net 6. Oktober 2015 at 4:45

Liebe Kerstin,
ich „durfte“ schon seit fast einem Jahr üben, wie es ohne den Schatz ist. Es ist trotzdem manchmal nicht leicht. Aber es ist für mich einfacher, wie für andere Menschen, die ad hoc überrascht wurden. Vielleicht wirke ich deshalb etwas abgeklärter und lockerer.

Und das Leben hier muss weiter gehen.

Reply
Vera 5. Oktober 2015 at 9:02

Mit dem Tod umzugehen ist und bleibt schwierig. Auch für mich, die den Mann vor knapp 32 Jahren verloren hat, bleibt die Unsicherheit, wie ich mich verhalten soll.
Ich fand es damals furchtbar, von allen möglichen Leuten angesprochen und nach dem Warum gefragt zu werden. Glücklicherweise hatte ich einen guten Freund in der Firma, der mir die Leute „vom Hals“ hielt, denn ich wollte nicht mit jedem reden. Und für die Behördengänge hatte ich meinen Schwiegervater, der mir alles abnahm und der Bestatter selbst hat natürlich viel erledigt. Es war allerdings auch eine besondere, nicht alltägliche Situation, die teilweise im Ausland stattfand.

Jeder Mensch trauert anders, jeder Tod und Verlust ist auch anders und muss irgendwie verarbeitet werden. Ich bin damals auch nicht in Schwarz gelaufen, denn ich wollte nicht als Trauernde erkannt und bemitleidet werden. Die Trauer ist in mir und muss ich nicht durch eine Farbe kundtun. Es gibt auch Menschen, die nicht traurig sind, für die der Tod die Erlösung des Anderen bedeutet und sie sind froh, dass es vorbei ist.

Ich finde es jedenfalls gut, dass Du wieder bloggst und Dich nicht verkriechst. Es wird Dir bei Deiner Trauerarbeit helfen.

Liebe Grüße und alles Gute für Dich,
Vera

Reply
TheStrangebeauty.net 6. Oktober 2015 at 4:41

Liebe Vera. Ich mag schwarz an normalen Tagen gern. Als Trauerfarbe ist sie mittlerweile out. Das hat man heute auch nicht mehr.
Und vor über 30 Jahren war vieles anders. Unsere „Trauerkultur“ hat GsD einen grossen Schritt nach vorne gemacht.

Sei lieb gegrüßt.

Reply
Spottdrossel 5. Oktober 2015 at 8:25

Liebe Susi,
ich wünsche Dir und Frau Lillywuff alles Gute für die „andere“ Zukunft. Mit den Behördengängen hatte ich Glück, bin über lauter nette Leute gestolpert, nur wenn man vor dem Standesamt sitzt und drinnen planen welche ihre Hochzeit wie man selber vor 10 Jahren, dann wird´s anstrengend.
Die Unsicherheit der Umgebung kann ich bestätigen, komischerweise auch genau die Leute, die jedes Wochenende in die Kirche rennen, können nicht mal eine Karte schreiben. Dafür kommen nette Kontakte aus Ecken, wo man nie mit gerechnet hätte.
Sortiert euch in Ruhe und mach einfach das, was sich für Dich in diesem Moment richtig anfühlt.

Reply
TheStrangebeauty.net 6. Oktober 2015 at 4:39

Liebe Alex.
Ich habe nun fast die gleichen Erfahrungen wie Du gemacht. Und ja, manches fühlt sich komisch an und es wird im Hals eng. Aber auch das geht vorbei.

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