BloggesprächeInsider

Schreibzeit im April – „Demut“

posted by TheStrangebeauty.net 13. April 2015 2 Comments

„Demut“ – dienstwillig, Gesinnung eines Dienenden (WIKI)

Bines neue Schreibzeit bringt mich extrem zum nachdenken. Ein schwieriges Thema, pathetisch fast.

Demut ist eigentlich ein Wort, welches mir sehr sauer aufstößt. Denn es hat etwas mit Knechtschaft und Übermenschen und Herrschern zu tun, aufgebürdeten Regeln und Verzweiflung im Angesicht der eigenen Situation.
Keine schöne Vorstellung für mich.

Ich bin kein Mensch, der sich Regeln aufzwingen lässt. Der sich in Bahnen lenken lässt, die andere vorgeben und bestimmen. Das hat mir schon früher unter Umstände Probleme eingebracht. Aber ich bin auch dadurch zu dem Mensch geworden, der ich bin.

Demut im christlichen Sinn empfinde ich ebenfalls als „Farce“. Denn auch hier gibt es wieder einen Herrscher, der Dinge verlangt, die man tun soll.  Und wieder ist Zwang dabei.

Ich erinnere mich mit schaudern an den Pfarrer in der Grundschule, der hundertprozentigen Gehorsam verlangte und uns sogar züchtigte, damit wir demütig werden. Tolle Wurst, so mit 7 oder 8 Jahren. Da kann man mit dem Wort gar nichts anfangen.

Demut wird auch als Opferbereitschaft bezeichnet. Man opfert sich selbst für jemanden auf.
Den Kranken, der sich nicht mehr helfen kann.
Dem Kind, welches alleine nicht klar kommt.
Dem alten Menschen, der ohne die fremde Hilfe nicht mehr klar kommt.

Nun könnte man sagen: Du bist ein Freigeist, Dich hält nichts auf dieser Welt, was genormt ist und was Vorgaben verlangt.
So ganz stimmt das nicht, denn…

Demut hat für mich auch etwas mit Dankbarkeit zu tun.
Dankbar sein für die Dinge, die man noch tun kann.
Dankbar sein, die schlimme Erkrankung überlebt zu haben.
Dankbar sein, dass der Verwandte/Freund den schlimmen Unfall überlebt hat.

Eigentlich sind wir viel zu wenig dankbar/demütig. Wir nehmen viele Dinge einfach als gegeben hin. Wir gehen in den Wald und nehmen ihn als selbstverständlich hin, verschmutzen ihn, nutzen ihn bis zum umfallen. Die wenigsten Leute (ich gehöre dazu) sehen den Wald aus anderen Augen, nehmen die Dinge rundherum wahr. Die Vögel, die kleinen Mäuse die sich dort bewegen. Die Füchse und Wildschweine, die meine Wege morgens früh kreuzen.

Oder der wundervolle Sonnenuntergang, der sich uns so oft zeigt.  Eine Selbstverständlichkeit? Ein chemisch-biologisches Wunder?

demut
Fakt ist – ich werde demütig, gehe fast in die Knie, und bin dankbar, dass ich so etwas sehen darf.  Naturgewalten machen einem generell demütig – gerade, wenn wir jemanden dadurch verlieren.

Vielleicht sollte man öfter demütig und nachdenklich sein. Dinge nicht als selbstverständlich hinnehmen und uns bewusst werden, dass unsere Zeit hier auf Erden begrenzt ist. Was danach kommt, weiß eh keiner.
Ich genieße diese Zeit – egal, wie lange sie dauert.

You may also like

2 Comments

Roveena 13. April 2015 at 19:06

Die Natur und ihre Lebewesen sind die einzigen vor denen ich Demut zeige. Wenn ich so wunderbare Momente mit Aaron erlebe, dann empfinde ich Demut, in Form einer tiefen Dankbarkeit.
Deine Gedanken hast du sehr schön in Worte gefasst und ich teil Sie meineungstechnisch mit dir.

Reply
Sonja 13. April 2015 at 11:32

Ich muss ja sagen, dass meine Grundhaltung „demütig“ ist und zwar im eigentlichen Sinn: „Gesinnung eines Dienenden“. Das mag damit zu tun haben, dass ich aus einem christlichen Haushalt komme oder damit, dass ich es bei meinem Vater abgeschaut oder geerbt habe, ich weiß es nicht. Ich „diene“ anderen gern, muss nur sehen, dass es nicht ausartet und ich hin und wieder auch an mein eigenes Wohl denke. Manchmal verliere ich es aus den Augen, aber es ist schon wesentlich ausgewogener als früher.

Reply

Leave a Comment


*

Top